Die neue Ur-Konzertina

Auf den KonzertinaNetz-Treffen entstand beim Fachsimpeln eine Idee, die sich zum Wunsch, dann zum Plan und schließlich zur Realität entwickelte:

Die allerersten Konzertinas (ab 1830) waren quadratisch:

Sechseckig wurden sie erst, als die deutschen Instrumentenbauer den englischen Markt entdeckten, auf dem es bis dahin ausschließlich sechseckige (gleichtönige, chromatische) Luxusinstrumente gab. Sie steckten ihre wechseltönigen Innereien in ein sechseckiges Gehäuse, damit sich auch der englische Otto Normalverbraucher so ein modernes Instrument leisten konnte.

Die "großen" Konzertinas, zunächst für den deutschen Markt gebaut, blieben bis heute quadratisch (Chemnitzer, Carlsfelder, Bandoneon...).

Aber eigentlich müsste eine zweichörige Deutsche Konzertina quadratisch kostengünstiger zu bauen sein als mit sechs Ecken: Man spart zwei Teile und hat zwei Verbindungen an den Ecken weniger, bei den Seitenteilen und vor allem beim Balg!
Könnte man nicht, "back to the roots", dieses ursprüngliche Instrument wiederbeleben?

Foto Ur-Konzertina

Das Ding war nicht zu stoppen: Es gab eine Wunschliste, ein Instrumentenbauer kam über einen Bekannten ins Boot und fand Gefallen an dem Projekt, Nina Dietrich (Stammgast auf den KonzertinaNetz-Treffen) gestaltete die Seitenteilen. Ein Prototyp wurde herumgeschickt und von 10 Konzertinaspielern intensiv befingert.

Anfang 2021 war es dann so weit: Zum ersten Mal seit mindestens 150 Jahren gibt es wieder eine quadratische 20knöpfige Deutsche Konzertina. Äußerlich ähnelt sie den Vorfahren. Auch bei der Klangerzeugung hat man sich an den klassischen Instrumenten orientiert: Fette Zink-Stimmplatte mit aufgenieteten Zungen, Oktavstimmung. Innen ein paar Innovationen: Eine Luftklappe, wie sie bei den großen Konzertinas eingebaut ist, so richtig zum Luftschnappen! Die Knöpfe haben eine Führung bekommen (wie sie bei hochwertigen englischen Instrumenten zu finden ist), die sie senkrecht hält. Sie kippen also nicht beim Drücken mit dem Hebel leicht zur Seite. Die Balgrahmen sind den großen Konzertinas abgeschaut, am Anfang kamen die kurzen Bälge der kleinen Konzertinas ohne aus.

  • Maße: 15,5 x 15,5
  • Gewicht: 1500 gr
  • DIX-Stimmplatten aus Zink mit Stahlzungen (nach Vorgabe angefertigt von der Firma Harmonikas in Louny/CZ)
  • Stimmung: CG, zweichörige Oktavstimmung, 440 Hz, schwebungsfrei
  • reine Handarbeit, incl. Balg (Bamberger Kaliko)
  • verwendete Hölzer: Ahorn, Birke, Buche, Fichte, Kirsche, Padouk
  • Die Mechanikbauweise wurde in Anlehnung an historische Vorgaben ausgeführt (kein Alu)
Besonderheiten:
  • besonders große Luftklappe
  • verstellbare Handauflage
  • alle Klebstoffe und Lacke sind lösemittelfrei bzw. wasserbasiert

Bestellen kann man sie für 705 € (inkl. Koffer) bei Steinlinger Balginstrumente
Sonderwünsche (Tonarten, Stimmung, äußere Gestaltung...) sind gegen Aufpreis möglich.

Es gibt in Kürze neben dem abgebildeten Typ Lochblume zwei Ausführungen mit floralem Design:
Typ Lilofee (Seegras), Typ Löwenzahn;

Ur-Konzertina Typ Lilofee Ur-Konzertina Typ Löwenzahn